Technologien ethisch bewerten

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Das "kleine, unangenehme Gefühl im Bauch"

Wenn der Roboter ans Pflegebett kommt, oder die Lärmampel die Kinder zur Ruhe mahnt. Ein Patient nur noch "remote" anhand seiner Vitaldaten beraten wird oder nicht ein Mensch, sondern ausnahmlos der Algorithmus das Rückfallrisiko eines trockenen Alkoholikers einstuft. Vieles davon klingt möglich und ist möglich. Zugleich ist es uns doch fremd oder löst zumindest ein kleines, unangenehmens Gefühl im Bauch aus. Ist das wirklich ok? Wo bleibt der Mensch, das Menschliche? Wir sehen die Chancen, aber wo sind die Risiken? Wir fühlen sie irgendwie, aber sie sind oft schwierig zu verbalisieren.

Digitalisierung betrifft auch unsere Werte

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitsabläufe und Aufgaben, aber auch die Interaktion mit anderen Menschen und unser Miteinander als Organisation und Gesellschaft. Die neuen Technologien haben erhebliche ethische und soziale Folgen.

"Werte" werden tangiert, z.B.: Würde, Autonomie, Sicherheit, Privatsphäre, Demokratie, Machtbalance, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Werte sind aber oft sehr abstrakte Begriffe, schwer zu verallgemeinern und häufig irgendwie "relativ".

Ziel des Kurses: sprachfähig machen

In diesem Kurs möchten wir zeigen, wie man einzelne Technologien in ihrem Kontext ethisch bewerten kann. Ethische Fragen zu stellen und zu beantworten mag nicht einfach sein, aber mit dem richtigen Handwerkzeug für uns alle möglich. Und das ist wichtig - dass wir alle mitreden können.

Wie formuliert man ethische Risiken um sie greifbar zu machen? Wie kann man sie gegen Möglichkeiten und Potenziale abzuwägen? Dieser Kurs gibt keine allgemeine Antwort auf die Frage "wo die ethische Grenze liegt". Diese Frage muss jeder für sich auf Basis seiner Werte selbst finden. Aber der Kurs soll sprachfähig zu dem Thema machen - damit nicht nur das kleine unangenehme Gefühl im Bauch bleibt, sondern dass dies auch verablisiert werden kann und in Entscheidungen seinen Platz findet.