Wirkungen von Nachhall und Sprachverstehen

Die offene Gruppenarbeit zum Beispiel führt dazu, dass viele Kinder im Raum gleichzeitig reden und rufen, spielen und sich bewegen, streiten und lachen. Eine hallige Akustik setzt einen Kreislauf der Rückkopplung in Gang: Durch den Nachhall entsteht eine schlechtere Sprachverständlichkeit und es wird bei gleicher Personenzahl immer lauter.
Das Verstehen von Sprache unter ungünstigen akustischen Bedingungen erfordert, dass Hintergrundgeräusche ausgeblendet und fehlende Informationen kontinuierlich ergänzt werden. Dies stellt erhebliche Anforderungen an die auditiven und sprachlichen Funktionen sowie die damit verbundenen Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse.

„Kinder werden durch ungünstige Hörbedingungen wesentlich stärker beeinträchtigt als Erwachsene.“

Sprachlaute stellen an unser auditives Wahrnehmungssystem besondere Anforderungen. Um beispielsweise ein /ba/ von einem /da/ zu unterscheiden, müssen extrem schnell ablaufende Frequenzänderungen im Sprachsignal erkannt und ausgewertet werden. Damit wir dies leisten können, müssen wir phonetische Kategorien bilden, d.h., wir lernen uns bei der Analyse von Sprachlauten auf die in unserer Muttersprache bedeutenden zu konzentrieren. Erst diese Datenreduktion erlaubt eine schnelle und effiziente Verarbeitung. Die phonetischen Kategorien werden bereits im ersten Lebensjahr durch das Hören der Muttersprache erworben; die »Feinabstimmung« dauert noch bis weit ins Schulalter an.