Pflegekräfte Führungskräfte BGM Arbeitsschutz Psychische Belastungen Pflege – Live und in Farbe: raus aus der Homeoffice Blase

Gastbeitrag von Sophia Giegold – Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof

Begeistert sehe ich mir täglich neue und innovative Technologien an und stelle mir vor wie das Gesundheits- und Sozialwesen von Morgen aussehen könnte. Meine Aufgabe im Projekt pulsnetz KI ist es nach Technologien und Konzepten zu recherchieren, welche den Beschäftigten in der Sozialwirtschaft zum gesunden Arbeiten verhelfen.

Allerdings kann das alles nicht nur vom Schreibtisch aus passieren – denn ohne einen tiefergehenden Einblick in den Arbeitsalltag von Pflegekräften, gibt es dort nur noch mehr Insellösungen. Damit meine ich Technologien, bei denen selten der gesamte Prozess betrachtet wird geschweige denn ein Erfahrungswert vorliegt, wie der Pflegealltag wirklich aussieht und wo tatsächlich der Schuh drückt.
Nichts ist so nachhaltig wie das eigene Erleben –so ging es auch mir nach meinen 3 Tagen Hospitanz bei der Caritas in der stationären und ambulanten Pflege.

Ich war begeistert und zugleich überrascht, dass es ganz anders ist, als ich es mir ausgemalt hatte: Ich wurde mit einer Herzlichkeit und Offenheit empfangen. Meine eigene Begeisterung für Technologien sprang bei den genannten Anwendungsszenarien sofort auf das Team über. So kam beispielsweise der smarte Trinkbecher bei den Mitarbeiter*innen sehr gut an, da er nicht nur den Dokumentationsaufwand verringert, indem er das Trinkverhalten selbständig in die Pflegesoftware aufnimmt, sondern auch den psychischen Druck reduziert, da die Daten zu jeder Zeit in Echtzeit vorliegen.
In der Tat kommt der Stress in den Einrichtungen zum Großteil von äußeren Faktoren wie der Dokumentationspflicht. Meist wird diese gesammelt und in einem der seltenen ruhigeren Momente oder am Ende der Schicht vervollständigt. Das ist nicht nur unbefriedigend, sondern zeitraubend und ein zusätzlicher Stressfaktor.
Neben dem Trinkbecher begeisterten auch verschiedene Apps, welche mit Hilfe von Spracheingabe die Dokumentation erleichtern und diese automatisiert ablegen. Meiner Erfahrung nach steht und fällt die Motivation und Neugierde der Mitarbeitenden für die Technologien mit der richtigen Ansprache und Kommunikation sowie treffenden Anwendungsbeispielen. Auch hier gilt: erleben wirkt!

Genau hier setzen deshalb auch die Beratungsangebote von pulsnetz KI an – im Erleben und Ausprobieren der Technologien. 

Allerdings – und das war auch eine wichtige Erkenntnis während meiner Hospitanz – werden Technologien allein das Problem in der Pflege nicht lösen können. Sie werden die Situation entlasten und die Beschäftigten unterstützen. Aber die Rahmenbedingungen und das immer enger werdende Korsett, bestehend aus Richtlinien, Regeln, Gesetzen und längst überholten Vorschriften machen es den Pflegekräften unmöglich einmal aufzuatmen.
Technologien können helfen, bis das System – und das wird langfristig geschehen, wenn sich nichts grundlegend ändert – zusammenbricht. Ein erschreckendes Szenario, das wir im besten Falle als Chance verstehen sollten. Krise ist oft negativ behaftet, bedeutet aber auch einen Wendepunkt und genau den braucht es. Schaffen wir es gemeinsam mit der Expertise von allen Akteuren in der Pflege diesem Zusammenbruch zuvor zu kommen? Um die akute Krise als Chance zu begreifen und ein System aufzubauen, welches wieder funktioniert und Pflegenden sowie Gepflegten Freude macht.

Wir sind Teil des Wandels – mit pulsnetz KI.