Halb voll oder halb leer?

Gastbeitrag von Sr. Irmgard Richter - Evangelische Stadtmission Freiburg e.V.

Man könnte ja denken, im Blick auf den Glauben gäbe es zwei Sorten von Menschen. 
Solche, die glauben, und solche, die nicht glauben. Mir scheint, so einfach ist das nicht. 
Ich zum Beispiel – ich stehe zu meinem Glauben an Jesus. Aber es gibt Situationen,
da ist mein Vertrauen auf Gott ziemlich schwach. Oder ich denke einfach nicht an ihn.

Und dann habe ich Freunde, die gehören schon lange zu keiner Kirche mehr. 
Aber wenn ich für sie bete oder ihnen Gottes Segen zuspreche, dann bedeutet es ihnen viel.

Zwischen voll und leer gibt es alles Mögliche. Zwischen Glauben und Nicht-Glauben auch. 
Das ist so. Und das darf so sein. Zwar kann man nicht „ein bisschen“ zur Kirche gehören.
Aber man kann durchaus „ein bisschen“ glauben. Man kann sich in kleinen Schritten Gott 
nähern oder auch ein bisschen mehr auf Distanz zu ihm gehen. Ich denke, im Wesentlichen
geht es beim Glauben um eine Beziehung zu Gott. Und Beziehungen sind dynamisch – sie
ändern sich ständig. Gottes Hand ist immer ausgestreckt zu uns hin. Er macht nicht dicht und
zieht sich nichtbeleidigt zurück. Er lässt uns Freiheit und lässt uns doch nicht einfach laufen.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Der Mann, der das sagte, hatte Jesus um Heilung 
für sein schwer krankes Kind gebeten. Er spielte nichts vor, was er nicht glaubte. 
Aber er sprach seine Zweifel offen vor Jesus aus. Ist das nicht schon Vertrauen?
Ich finde, das ist voll-wertiger Glaube.